Menschen als Spielball der Großmächtepolitik – Die Geschichte Kärntens im 20. Jahrhundert ist davon stark geprägt. Inmitten eines Kulturraums, in dem über Jahrhunderte italienische, slowenische und deutsche Einflüsse zusammenflossen, hinterließ der Nationalismus tiefe Narben, die nur langsam durch ein heutiges Verständnis für ein vielsprachiges Europa verheilen. Familie Ressmann mit slowenischen Wurzeln ist ein Beispiel dafür, wie Ausgrenzung während der NS-Zeit innerhalb bestehender Grenzen zum Trauma werden konnte. Heute liegt ihr Hof an der Grenze zu Italien und Slowenien. Im Ersten Weltkrieg jedoch verlief hier die Front gegen Italien.
Am Beispiel einer umstrittenen Grenzregion erzählt Anita Lackenberger in ihrer Dokumentation "Leben am Eisernen Vorhang" die außergewöhnliche Geschichte der Familie Fürnsinn, die über fast ein Jahrhundert hinweg die dramatischen Veränderungen in ihrer Heimatstadt Gmünd erlebte. Vier Generationen der Fürnsinns haben den Riss in ihrer Heimatstadt vom Ersten Weltkrieg bis zum vereinten Europa miterlebt.
Wenn es in Österreich eine Region gibt, die gleichzeitig mit zwei elementaren Grenzziehungen konfrontiert war, dann ist es das oberösterreichische Mühlviertel in den Jahren unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit der Besetzung durch die Rote Armee stand plötzlich seine Zugehörigkeit zu Oberösterreich – und damit auch zu Österreich – infrage. Viele fürchteten, nun Teil eines anderen Staates zu werden. Als Teil der sowjetischen Besatzungszone war das Mühlviertel damit – mitten im Kalten Krieg – ein Brennpunkt der Weltpolitik und von einer dauerhaften Okkupation durch die Rote Armee bedroht. Die Familie Kohlberger und ihre Vorfahren im Grenzort Freistadt erlebten diese Umbrüche hautnah mit: vom Vielvölkerstaat der Habsburgermonarchie zum Existenzkampf der Ersten Republik, vom NS-Terror zur Sowjetbesatzung, vom Grenzland am Eisernen Vorhang zur modernen Europaregion.
Ein Jahrhundert, eine Familie, ein Wohnhaus. Gersthof im 18. Wiener Gemeindebezirk ist seit 1907 Schauplatz für das Schicksal der jüdischen Familie Erdheim. Ihre Wurzeln liegen in Galizien, der heutigen Ukraine. Hier bringen sie es durch den Erdölboom Mitte des 19. Jahrhunderts zu Wohlstand und erfüllen sich einen Traum, die Übersiedelung nach Wien, der glanzvollen Metropole des Fin de Siecle. Doch mit dem ersten Weltkrieg und dem Zerfall des Habsburger-Reiches finden sie sich in einer Stadt im Ausnahmezustand wieder.